Die Herkunft des von den Medien inzwischen Bruno getauften Braunbären, der seit
Wochen im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet umherwandert, ist geklärt. Laut
den Ergebnissen einer gentechnischen Haaranalyse in Italien handelt es sich um den
zweijährigen Bären „JJ1“ aus einem italienischen Wiederansiedlungsprojekt für
Bären im Trentino Gebiet.
Die Bezeichnung JJ1 setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Namen der Eltern,
Jurka und Joze, zusammen. JJ1 hat auch noch einen Bruder, seinen
Zwillingsbruder JJ2. JJ2 wurde allerdings seit September letzten Jahres nicht
mehr gesichtet – zuvor hatte er jedoch schon wie jetzt sein Bruder für Aufsehen
gesorgt: Bis zu seinem Verschwinden riss er etliche Schafe auf seiner Wanderung
durch die Schweiz.
Wissenschaftler vermuten, die Mutter habe den beiden Bären dieses Verhalten
beigebracht. Sie hätten von ihr gelernt, dass es in der Nähe von Siedlungen
leicht sei, an Futter zu gelangen. Gleichzeitig erlebten die beiden Jungbären
aber auch eine Vertreibungsaktion mit Gummigeschossen. Dabei werden Bären, die
auf frischer Tat in der Nähe von Siedlungen ertappt werden, mit Gummigeschossen
erschreckt, damit sie sich zukünftig fernhalten. Bruno/JJ1 hat seine
Lektion aber offenbar falsch verstanden, und anstatt sich von menschlichen
Siedlungen fern zu halten, macht er sich nur nach erfolgreichem Beutezug schnell
wieder aus dem Staub und kehrt nicht wieder zurück.
Hinweisen zufolge hielt sich der Bär zuletzt im Gebiet Achensee nordöstlich von
Innsbruck auf. Ein Lastwagenfahrer berichtete, er habe gesehen, wie der Bär die
Inntal-Autobahn überquerte, und WWF-Experten konnten Spuren des Bären bestätigen.
Die WWF-Experten versuchten bisher erfolglos, den Bären mittels zweier
Röhrenfallen einzufangen. Diese Fallen sind eigenen Angaben zufolge aber nur
erfolgreich, wenn der Bär zu einem Ort zurückkehrt, an dem er Beute gemacht hat
– was er aber bisher immer vermieden hat. Zusätzlich wird auch versucht, wie
unter Anderem von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“, den Bären mittels Geschossen
zu betäuben. Doch auch dazu muss er erst gefunden werden. Nach wie vor gibt es
auch Abschussgenehmigungen in Bayern und Teilen Tirols, und so bleibt das
Schicksal von Bruno/JJ1 vorerst ungewiss.